Eine Panasonic Klimaanlage lässt sich standardmäßig nur über die Panasonic Comfort Cloud steuern – mit allem, was das an Cloud-Abhängigkeit, Latenz und Datenschutz-Fragezeichen mit sich bringt. In diesem Artikel zeige ich, wie ich meine Panasonic Klimaanlage stattdessen komplett lokal in Home Assistant eingebunden habe, ganz ohne Umweg über die Cloud – inklusive aller Stolpersteine, die mir dabei begegnet sind.
Warum reiner Cloud-Betrieb für meine Panasonic Klimaanlage nicht in Frage kam
Der Netzwerk-Adapter, den Panasonic für die Comfort Cloud anbietet, funktioniert im Grunde wie eine kleine Blackbox: Er spricht per UART mit der Hauptplatine der Klimaanlage und leitet alles über WLAN an Panasonics Server weiter. Von dort steuert man die Anlage dann über die App – mit spürbarer Verzögerung, weil jeder Befehl erst den Umweg über den Server nehmen muss. Für ein Smart-Home-Setup, in dem ich Klimaanlagen-Zustände auch in Automationen verwenden möchte (etwa gekoppelt an PV-Überschuss oder Präsenz), ist das ein echter Nachteil.
Die Vorteile einer lokalen Anbindung der Panasonic Klimaanlage an Home Assistant auf einen Blick:
- Keine Abhängigkeit von Panasonic-Servern – funktioniert auch, wenn das Internet mal ausfällt
- Keine Cloud-Latenz bei der Steuerung – Befehle wirken quasi in Echtzeit
- Volle Integration in lokale Automationen (z. B. PV-Überschuss, Präsenzlogik, Zeitpläne)
- Keine Datenübertragung an Drittserver
- Volle Kontrolle über die Update- und Firmware-Situation, statt von Panasonics Update-Zyklen abhängig zu sein
Die Wahl fiel auf das Community-Projekt esphome-panasonic-ac von DomiStyle, das genau für diesen Zweck gebaut wurde: Es bildet einen Drop-in-Ersatz für die originalen Panasonic-WLAN-Module (DNSK-P11 und CZ-TACG1) und spricht direkt über die UART-Schnittstelle der Klimaanlage – aber eben mit ESPHome und damit lokal in Home Assistant.
Foto: Klimaanlange Panasonic CS-FZ35WKE, unten schaut der SHT31 heraus
Hardware: Wo und wie man ansetzt
Bevor ich überhaupt einen Lötkolben angefasst habe, ging es erstmal darum herauszufinden, wo an meiner Panasonic CS-FZ35WKE überhaupt die Schnittstelle für den Netzwerk-Adapter sitzt. Meine Anlage hatte bereits ab Werk ein optionales Network-Adaptor-Modul verbaut, das Panasonic CZ-TACG1. Genau dieses Modul steckt normalerweise auf einer 5-poligen Steckbuchse namens CN-CNT direkt auf der Hauptplatine der Inneneinheit.
Foto: Hauptplatine, CN-CNT-Steckbuchse
Diese Buchse ist der Schlüssel zum ganzen Projekt: Über sie kommuniziert die Klimaanlage per UART (serielle Schnittstelle) mit dem Adaptermodul – genau diese Kommunikation will man für die ESPHome-Integration mitschneiden bzw. selbst übernehmen. Damit man weiß, welches Kabel wofür zuständig ist, bevor man irgendetwas anschließt, habe ich die Pinbelegung zur Sicherheit selbst mit dem Multimeter nachgemessen, statt mich blind auf Community-Angaben zu verlassen:
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| Pin | Funktion |
|---|---|
| Rot | 5V |
| Schwarz | GND |
| Grün | TX/RX (Daten) |
| Weiß | TX/RX (Daten) |
Wichtig dabei: Die Klimaanlage arbeitet auf dieser Schnittstelle mit 5V-Logikpegeln, der ESP32 aber mit 3,3V. Ein direkter Anschluss würde den ESP32 auf Dauer beschädigen. Deshalb braucht es zwingend einen Logic-Level-Converter (bidirektional, mindestens 2 Kanäle) dazwischen, der die Pegel in beide Richtungen sauber umsetzt.
Von mir verwendet: bidirektionaler 3,3-V-/5-V-Logic-Level-Converter bei Amazon ansehen*
Als Mikrocontroller habe ich mich für ein ESP32-Board mit WROOM-32-Chip entschieden. Ein ESP32-C3 Super Mini lag zwar auch schon bei mir in der Schublade, aber da das WROOM-32-Board zuverlässig lief und ich es bereits erfolgreich zum Laufen gebracht hatte, habe ich mich bewusst gegen einen Wechsel entschieden – „never change a running system“ gilt hier auch für Bastelprojekte.
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Foto: Logic-Level-Converter und ESP32-Board vor dem Einbau
Der Stecker-Ärger
Ein Detail, das mich mehr Zeit gekostet hat als gedacht: Der CN-CNT-Stecker auf der Platine ist ein eng gerasterter JST-Stecker (2 mm Pitch), auf den handelsübliche Jumperkabel schlicht nicht passen – die Pins liegen zu dicht beieinander. Ich habe verschiedene Adapter und Buchsen durchprobiert, aber letztlich war die pragmatischste Lösung: Das Original-Steckerkabel des CZ-TACG1-Moduls habe ich einfach abgeschnitten und die einzelnen Adern direkt an handelsübliche Jumperkabel gelötet. Damit hatte ich auf der einen Seite weiterhin den passenden JST-Stecker für die Platine und auf der anderen Seite normale Steckverbinder für Breadboard bzw. Lötverbindungen zum ESP32 und Logic-Level-Converter.
Foto: Logic-Level-Converter und ESP32-Board vor dem Einbau mit zusätzliche 5V Leitung zur Verbindung mit dem JST-Stecker
Die Sache mit der Stromversorgung (und ein Kurzschluss)
Hier kommt der Teil, den ich euch nicht vorenthalten will, weil er lehrreich ist: Beim Messen an den AC-Pins mit dem Multimeter ist mir versehentlich ein Kurzschluss passiert – samt sichtbarem Funken. Das ging schneller, als ich gucken konnte, und im Nachhinein war klar: Zwei Messspitzen, ein kurzer Moment Unaufmerksamkeit, und schon lagen zwei Pins auf der Platine kurz miteinander verbunden.
Die Folge: Die interne 5V-Versorgung für den CN-CNT-Anschluss der Klimaanlage ist seitdem dauerhaft defekt (0V). Bestätigt habe ich das dadurch, dass auch das originale CZ-TACG1-Modul, das vorher einwandfrei lief, seitdem keinen Strom mehr über diesen Anschluss bekommt. Die gute Nachricht: Die eigentliche Klimafunktion über die Fernbedienung ist davon überhaupt nicht betroffen – es hängt wirklich nur die 5V-Versorgungsleitung des CN-CNT-Steckers dran, nicht die Kernelektronik der Anlage.
Die Konsequenz für meinen Aufbau: Der ESP32 wird jetzt über ein externes USB-Netzteil mit Strom versorgt, statt über die eigentlich vorgesehene 5V-Leitung der Klimaanlage. Von der AC kommen nur noch GND sowie die beiden Datenadern (Grün/Weiß) – die eigentliche Kommunikation läuft also weiterhin direkt über die Klimaanlagen-Platine, nur die Stromversorgung des ESP32 ist komplett entkoppelt.
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Lesson learned: Wer hier nachbaut, sollte von Anfang an eine externe Stromversorgung für den ESP32 einplanen – unabhängig davon, ob die AC-eigene 5V-Leitung funktioniert oder nicht. Das spart nicht nur den Kurzschluss-Schreck, sondern macht den Aufbau auch grundsätzlich robuster: Sollte an der AC-internen Versorgung mal etwas schwächeln, bleibt der ESP32 trotzdem zuverlässig online. Und ganz praktisch: Beim Messen an spannungsführenden Platinen lieber einmal zu vorsichtig als einmal zu schnell sein – im Zweifel die Anlage vorher stromlos schalten.
Foto: Fertiger Aufbau mit externem USB-Netzteil für den ESP32 + SHT31
ESPHome-Konfiguration
Mit der Hardware stand, ging es an die Software. Das Projekt esphome-panasonic-ac bringt eine fertige Climate-Plattform als External Component mit, die sich unkompliziert in die ESPHome-YAML einbinden lässt. Wichtig ist dabei, den richtigen Adapter-Typ anzugeben – in meinem Fall cnt, da ich über den CN-CNT-Anschluss und das CZ-TACG1-kompatible Protokoll spreche (die Alternative wäre wlan für das DNSK-P11-Modul). Grundgerüst meiner Konfiguration:
esphome:
name: klima-dach
esp32:
board: esp32dev
framework:
type: arduino
external_components:
- source: github://DomiStyle/esphome-panasonic-ac
components: [panasonic_ac]
# Wichtig: Even Parity wird vom Panasonic-Protokoll erwartet
uart:
id: ac_uart
tx_pin: GPIO17
rx_pin: GPIO16
baud_rate: 9600
parity: EVEN
climate:
- platform: panasonic_ac
type: cnt
name: "Klimaanlage Dach"
uart_id: ac_uart
outside_temperature:
name: "Klimaanlage Dach Außentemperatur"
defrost_sensor:
name: "Klimaanlage Dach Abtaustatus"
current_power_consumption:
name: "Klimaanlage Dach Stromverbrauch (geschätzt)"Code-Sprache: PHP (php)
Ein paar Dinge, die mir beim Einrichten aufgefallen sind und die ich weitergeben möchte:
- Die
parity: EVEN-Einstellung beim UART ist Pflicht – ohne sie kommt keine lesbare Kommunikation mit der Klimaanlage zustande. - Der
current_power_consumption-Sensor liefert eine geschätzte Leistungsaufnahme, keine exakte Messung über einen Shunt – für einen groben Anhaltspunkt reicht das aber völlig aus. - Optional lassen sich noch Swing-Modi (horizontal/vertikal) als eigene Select-Entitäten sowie Eco-, Econavi- und NanoeX-Schalter aktivieren, falls die eigene Anlage diese Funktionen unterstützt.
Nach dem Flashen und dem ersten Neustart taucht die Klimaanlage in Home Assistant als vollwertige climate-Entität auf – mit Modus-Steuerung, Zieltemperatur und den vom Gerät gelieferten Sensordaten. In meinem Fall stehen mir inzwischen folgende Entitäten zur Verfügung: die Klimasteuerung selbst, Raumtemperatur, Außentemperatur, Luftfeuchtigkeit, geschätzter Stromverbrauch, ein Abtaustatus als binärer Sensor sowie ein Neustart-Button für den ESP32 – alles im Home-Assistant-Bereich „Dach“ zusammengefasst.
Screenshot: Home-Assistant-Entität „Klimaanlage Dach“ mit Bedienoberfläche
Home Assistant selbst läuft bei mir auf einem Raspberry Pi 4, auf dem neben dieser lokalen Panasonic-Integration inzwischen auch zahlreiche weitere ESPHome-, PV- und Wärmepumpen-Automationen zusammenlaufen.
Meine Home-Assistant-Basis: Raspberry Pi 4 bei Amazon ansehen*
Bonus: Den ESP32 doppelt nutzen
Da ohnehin ein ESP32 im Dachgeschoss verbaut ist – einem Bereich des Hauses, der sonst eher stiefmütterlich mit Smart-Home-Hardware ausgestattet ist – lag es nahe, ihn nicht nur für die Klimaanlage zu nutzen, sondern noch zwei weitere Aufgaben mitzugeben:
- ESPHome-Bluetooth-Proxy: Der ESP32 läuft zusätzlich als Bluetooth-Proxy und verbessert damit die Bluetooth-Abdeckung fürs ganze Haus – ergänzend zu meinem bereits bestehenden Proxy in der Küche. Gerade für die raumgenaue Präsenzerkennung per Bluetooth-Trilateration ist ein zusätzlicher Proxy im Dachgeschoss ein echter Gewinn, weil dort vorher eine Funklücke bestand.
- SHT31-Sensor: Zusätzlich hängt ein SHT31-Temperatur-/Luftfeuchtigkeitssensor per I2C am ESP32 (SDA an GPIO21, SCL an GPIO22) – für unabhängige Klimadaten im Dach, losgelöst von den Werten der Klimaanlage selbst. Das ist praktisch, um die Sensorwerte der Klimaanlage gegenzuprüfen oder Referenzwerte zu haben, wenn die Anlage selbst mal ausgeschaltet ist und keine Raumtemperatur mehr liefert.
Von mir verwendet: SHT31 Temperatur- und Luftfeuchtigkeitssensor bei Amazon ansehen*
Damit trägt der ESP32 im Dach gleich doppelt zur Bluetooth-Abdeckung im Haus bei – mehr zum Grundprinzip liest du in meinem Artikel zum Aufbau eines eigenen ESPHome-Bluetooth-Proxys.
WLAN-Stabilität: Der zweite Stolperstein
Nach der Inbetriebnahme fiel schnell auf, dass der ESP32 im Schnitt alle 20 Minuten die WLAN-Verbindung verlor und kurz aus Home Assistant verschwand, bevor er sich automatisch wieder verband. Auf Dauer nervig, vor allem, weil dadurch auch kurzzeitig Sensordaten und die Steuerbarkeit der Klimaanlage ausfielen.
Die Ursache ließ sich schnell eingrenzen: ein schwaches Signal im Dachgeschoss von ca. -70 bis -85 dBm – das Dach liegt schlicht am Rand der WLAN-Reichweite meines Routers, mit einer Etage und mehreren Wänden dazwischen. Die Lösung war unspektakulär, aber wirkungsvoll: ein zusätzlicher WLAN-Repeater direkt im Dach. Danach pendelte sich das Signal bei stabilen -46 dBm ein – ein Sprung von grenzwertig auf komfortabel stark. Seitdem läuft die Verbindung durchgehend sauber, ohne einen einzigen ungewollten Reconnect.
Panasonic Klimaanlage in Home Assistant: Das Ergebnis
Am Ende steht eine vollständig lokale Integration der Panasonic Klimaanlage in Home Assistant, die sich in Sachen Funktionsumfang nicht hinter der Comfort Cloud verstecken muss:
- Steuerung von Modus und Zieltemperatur direkt über Home Assistant
- Sensoren für Raumtemperatur, Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit
- Geschätzter Stromverbrauch als eigener Sensor
- Abtaustatus als binärer Sensor
- Ein Neustart-Button für den ESP32, falls doch mal ein Reset nötig ist
- Und kein einziges Datenpaket, das die Panasonic-Cloud sieht
Fazit
Der Weg von „Panasonic Klimaanlage nur per Fernbedienung steuerbar“ zu „vollständig in Home Assistant integriert“ war kein Wochenendprojekt – zwischen JST-Steckerproblemen, einem Kurzschluss mit Funkenflug und wackligem WLAN lagen ein paar handfeste Umwege. Aber am Ende steht eine robuste, cloud-freie Lösung, die sich genauso gut steuern lässt wie über die Comfort Cloud – nur eben ohne Umweg über Panasonics Server, ohne Cloud-Latenz und mit voller Kontrolle über die eigenen Daten.
Mein Rat für Nachbauer: Plant von Anfang an eine externe Stromversorgung für den ESP32 ein, seid beim Messen an der Platine besonders vorsichtig (Anlage im Zweifel vorher stromlos schalten), besorgt euch die passenden Steckverbinder oder plant das Umlöten gleich mit ein, und rechnet mit etwas WLAN-Feintuning, wenn die Klimaanlage – wie bei mir – in einer Funkloch-Ecke des Hauses hängt.
Ein möglicher nächster Schritt: Die Panasonic Klimaanlage in die PV-Überschuss-Automation einzubinden, ähnlich wie ich es bereits mit Warmwasser und dem Heizstab gemacht habe – dazu vermutlich mehr in einem späteren Artikel.
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